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Ab wann sollten Kinder ein Smartphone besitzen?

Foto: Adobe Stock; 282311478; Arkady Chubykin

Smartphones sind im heutigen Alltag für fast alle Menschen ein allgegenwärtiger Begleiter. Telefonieren, E-Mails schreiben, Überweisungen tätigen oder online shoppen - fast alle Erledigungen des modernen Alltags können mit einem Smartphone getätigt werden. Selbst für Erwachsene, die das Voranschreiten der Digitalisierung über Jahrzehnte miterlebt haben und mit bestehenden Risiken vertraut sind, birgt das Smartphone neben vielen Vorteilen auch Gefahren. Kinder, die ihre Eltern bei der Nutzung von Smartphones beobachten, können miterleben welche Unabhängigkeit und Vorzüge ein Handy mit sich bringt. Durch diese Beobachtungen sind Kinder häufig bereits in jungem Alter vertraut mit der Bedienung und Technik moderner Kommunikationsmittel. Doch die Aufklärung über deren Risiken erfolgt nicht durch eigene Erfahrungen oder indem Erwachsene bei der Nutzung von Smartphones beobachtet werden. Deshalb stellt sich für Eltern häufig die Frage ab welchem Alter es Kindern erlaubt sein soll ein Smartphone zu benutzen oder sogar ein eigenes zu besitzen.

In diesem Beitrag

Was für ein Handy ist für mein Kind geeignet?
Ist ein Handy mit Prepaid-Karte oder Vertrag geeignet? 
Sollten bestimmte Funktionen gesperrt werden?
Wie viel Zeit am Handy sollte erlaubt sein?
Welche Apps soll ich freigeben? 
Fazit

Was für ein Handy ist für mein Kind geeignet?

Notfallhandys für sehr junge Kinder

Für sehr junge Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter, denen ein verantwortungsvoller Umgang mit einem gängigen Handy noch nicht zugetraut wird, kann ein Notfallhandy eine sinnvolle Option sein. Notfallhandys verfügen nur über wenige Funktionen und deutlich eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten gegenüber Smartphones. Kinder können damit vordefinierte Telefonnummern anrufen, die vorab von den Eltern eingespeichert werden müssen und außerdem Anrufe annehmen. Wenn der Schulbus ausfällt oder das Fußballtraining früher beendet ist, können Kinder ihre Eltern jederzeit kontaktieren und abgeholt werden. Außerdem verfügen sie über eine Notfalltaste, mit der Kinder in Gefahrensituationen Hilfe rufen können. Die GPS Funktion ermöglicht es Eltern zudem das Notfallhandy zu orten, sollte dies nötig sein.

Ältere Handys von Familie oder Freunden im Grundschulalter

Für Grundschulkinder ist ein Smartphone grundsätzlich nicht empfehlenswert. Als nächste Stufe nach einem Notfallhandy, kann beispielsweise ein altes Handy eines Familienmitglieds eine gute Option sein. Damit können Kinder neben Telefonaten auch SMS verschicken und je nach Ausstattung auch fotografieren oder kleine Spiele spielen. Der Zugang zum Internet sollte vorerst nicht verfügbar sein, bis die Kinder einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen verfügbaren Funktionen erlernt haben. In dieser Zeit kann sichergestellt werden, dass Kinder sich an begrenzte Zeiten am Handy halten, “handyfreie Zonen”, wie beispielsweise die Schule oder das gemeinsame Abendessen mit der Familie respektieren und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy in der Öffentlichkeit erlernen.

Smartphones im Teenie-Alter

Erst im Teenager-Alter sollte über einen Übergang zum Smartphone nachgedacht werden. Sicher bietet ein Smartphone mit Internetfunktion zahlreiche Vorteile für ältere Kinder, die jedoch trotzdem mit Vorsicht genossen werden sollten.

Eine Übersicht über die wichtigsten Vor- und Nachteile:

+-
Umgang mit modernen KommunikationsmittelnGefahr hoher Zusatzkosten
FlexibilitätJugend- und Datenschutz
Nützliche Zusatzfunktionen (Navigationssysteme, Lernapps etc.)Strahlenbelastung
UnabhängigkeitGefahren des Internets
soziale Interaktion und Kommunikation“Handysucht”

Sollten sie ihrem Kind den Zugang zu einem internetfähigen Smartphone gewähren, dann sind einige wichtige Regeln unbedingt einzuhalten und weitere Fragen zu klären. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein Kind erst über ein Smartphone verfügen sollte wenn es ausreichend über einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet aufgeklärt wurde.

Ist ein Handy mit Prepaid-Karte oder Vertrag geeignet?

Für Kinder ist es meist sinnvoll für den Einstieg ein Handy mit Prepaid-Karte zu nutzen. So kann sichergestellt werden, dass die Eltern keine unerwarteten Kosten tragen müssen. Trotz der Flatrates, die viele Mobilfunkverträge mittlerweile enthalten, kann es dennoch passieren, dass hohe Zusatzkosten beispielsweise durch Anrufe bei Drittanbietern entstehen, die Eltern bezahlen müssen. Durch eine Prepaid-Karte sind solche unerwarteten Kosten ausgeschlossen, denn ist das Guthaben einmal aufgebraucht, sind weitere Anrufe schlichtweg nicht möglich. Trotzdem bleibt das Kind weiterhin erreichbar und kann Anrufe auf dem Handy annehmen. Eltern haben so die Möglichkeit einen Überblick über die entstandenen Kosten zu behalten und können die Prepaid-Karte dann gegebenenfalls wieder aufladen, nachdem sie die Kosten mit ihrem Kind besprochen haben. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, dass die Kinder miteinbezogen werden, sodass sie ebenfalls eine Relation zu den entstandenen Kosten bekommen und lernen verantwortungsbewusst mit dem Handy umzugehen. Je nach Höhe des Taschengeldes kann es auch sinnvoll sein, die Kinder an den laufenden Kosten zu beteiligen. Wie viel Taschengeld sie ihren Kindern dann zur Verfügung stellen sollten können sie hier nachlesen.

Außerdem kann eine Prepaid-Karte Kinder dabei unterstützen den Umgang mit Geld und das Sparen zu lernen. Durch die Prepaid-Karte können Kinder lernen, sich das nur begrenzt verfügbare Guthaben einzuteilen und sinnvoll einzusetzen. Für ältere Kinder, die bereits ein Smartphone nutzen kann es sinnvoll sein, Handyverträge abzuschließen, bei denen auch Datenvolumen für die Nutzung des Internets enthalten ist. Hier gibt es bei vielen Anbietern Angebote, die auf den Bedarf von Jugendlichen abgestimmt sind und die beispielsweise Drittanbieter sperren, sodass keine hohen Zusatzkosten entstehen können. Da sich die Bedürfnisse gerade in jungem Alter schnell ändern können sollte darauf geachtet werden, dass der Vetrag an keine lange Laufzeit gebunden ist.

Sollten bestimmte Funktionen gesperrt werden?

Wie bereits erwähnt kann es sinnvoll sein kostenpflichtige Telefonnummern von Drittanbietern zu sperren um unerwartete Kosten zu vermeiden. Außerdem ist es empfehlenswert am Handy ihres Kindes bestimmte Jugendschutzeinstellungen zu aktivieren um es vor nicht altersgerechten Inhalten zu schützen. Auch zum Schutz von persönlichen Daten sollten einige Vorkehrungen getroffen werden. Zum einen sollten sie darauf achten das Handy gemeinsam mit ihrem Kind mit einem Code zu schützen, sodass Unbefugte das Handy nicht nutzen können. Sie sollten ihr Kind außerdem ausreichend darüber aufklären, dass bestimmte Apps auf persönliche Daten oder auch den aktuellen Standort zugreifen und diese Funktionen nur mit Bedacht genehmigen. Kinder sollten außerdem unbedingt dafür sensibilisiert werden, wie sie mit der Veröffentlichung von privaten Fotos oder Daten im Internet umgehen sollen um daraus entstehende Gefahren zu vermeiden.

Wie viel Zeit am Handy sollte erlaubt sein?

Um einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Smartphone sicherzustellen und eine Handysucht zu vermeiden sollten vorab gemeinsam mit dem Kind einige Regeln festgelegt werden. Dazu zählen unter anderem die Definition von “handyfreien Zonen” und auch eine zeitliche Begrenzung für die tägliche Nutzungsdauer des Smartphones. Neben Zonen an denen die Nutzung des Handys ohnehin meist verboten ist, wie beispielsweise der Schulunterricht, können das Bett, das gemeinsame Abendessen mit der Familie oder auch Zeit vor dem Fernseher geeignete Anlässe sein, bei denen die zusätzliche Nutzung des Handys untersagt sein sollte. Außerdem kann es sinnvoll sein Push-Benachrichtigungen zu deaktivieren, sodass Kinder nicht von jeder eingehenden Nachricht abgelenkt werden sondern das Handy bewusst zur Hand nehmen und nutzen. Gleiches gilt für Benachrichtigungen in Gruppen-Chats. Es kann schwierig sein die Zeit zu kontrollieren, die Kinder und Jugendliche am Handy verbringen, da Smartphones oft nur für wenige Minuten am Stück und dafür jedoch mehrmals stündlich genutzt werden. Dennoch ist es sinnvoll zumindest einen Richtwert für die Nutzungsdauer des Smartphones vorzugeben und sich daran zu halten.

Gängige Vorgaben hierfür sind:

  • 4-6 Jahre: max. 20 Minuten nicht täglich
  • 7-10 Jahre: 30 - max. 45 Minuten
  • 11-13 Jahre: ca. 60 Minuten täglich

Grundsätzlich ist die maximal empfehlenswerte Nutzungsdauer von Smartphones allerdings stark davon abhängig für was die Smartphones in dieser Zeit genutzt werden.

Welche Apps soll ich freigeben?

Hier lässt sich natürlich das große Angebot an kindgerechten Lern- und Spiele-Apps empfehlen, das mittlerweile in den App-Stores verfügbar ist. Grundsätzlich ist es ratsam, darauf zu achten, dass die von Kindern genutzten Apps möglichst frei von Werbung und kindgerecht gestaltet sind. Auch wenn App-Stores oft Altersempfehlungen für die angebotenen Apps geben sollten sie sich darauf nicht verlassen. Es ist ratsam vor allem in der ersten Zeit das Herunterladen von Apps nur gemeinsam mit ihnen als Eltern zu gestatten. So haben sie neben der Kontrolle darüber welche Apps heruntergeladen werden auch einen Überblick über die Einwilligungen zur Freigabe von persönlichen Daten, die für die Nutzung der jeweiligen App notwendig sind. Hierfür können sie einfach ein Passwort für die Nutzung des App Stores festlegen, über das nur sie selbst verfügen. Für ältere Kinder und Jugendliche sind häufig auch soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Snapchat interessant. Wenn sie als Eltern die Nutzung solcher Medien nicht völlig verbieten wollen, dann ist es unbedingt ratsam ihre Kinder umfangreich über deren Risiken aufzuklären um einen verantwortungsvollen Umgang mit privaten Inhalten sicherzustellen.

Fazit

Das A und O um eine sichere Nutzung von Handys durch Minderjährige zu ermöglichen ist und bleibt in jedem Fall eine ausreichende Aufklärung und Sensibilisierung der Kinder über die Gefahren des Internets. Wenn ein verantwortungsbewusster Umgang sichergestellt ist, können Handys für Kinder und Jugendliche eine große Vielzahl an Möglichkeiten und Vorteilen mit sich bringen. Wie bei vielen Erziehungsfragen tragen Eltern eine große Verantwortung, ihre Kinder altersgemäß und kindgerecht an dieses wichtige Thema heranzuführen und zu sensibilisieren. Gehen sie selbst bei der Nutzung des Smartphones mit gutem Beispiel voran und informieren sie sich regelmäßig über das aktuelle Angebot an altersgemäßen Apps oder Spielen um gemeinsam mit ihrem Kind Entscheidungen treffen und Regeln festlegen zu können.